Eichelmehl herstellen

Dies ist der zweite Artikel über Eicheln. Im ersten habe ich beschrieben, wie man aus Eicheln leckeren und kaloriearmen Kaffee herstellen kann. Doch aus der Frucht der Eiche kann man noch mehr machen.
Allerdings ist die Herstellung in diesem Fall nicht ganz so einfach wie bei dem Kaffee, sollte aber dennoch keinem die Haare ergrauen lassen.

Foto:Stephan Hoppenheidt
Foto:Stephan Hoppenheidt

Die Herstellung kann sowohl im Outdoorbereich, als selbstverstädnlich auch in der Küche gemacht werden. Das Verfahren ist das gleiche, nur die Werkzeuge ändern sich.

Die meisten Menschen – auch welche mit denen ich gesprochen habe – halten die Eicheln für reines Tierfutter. Eigentlich nur geeignet um Schweine zu fütteren und im besten Fall noch für Rehe geeignet. Doch weit daneben!
Es ist belegt, dass man bereits im Mittelalter Eicheln verarbeitet hat und dieses sogar den Stellenwert eines Grundnahrungsmittel erreicht hat.
Für Gluten-Allergiker ist zu sagen, das Eicheln Glutenfrei sind. Für Bushcrafter bleibt zu Erwähnen, das Eicheln sehr Eiweiß- und Kohlenhydratehaltig sind.
Das mag zwar stimmen, dass der Mensch nicht mehr auf dieses Lebensmittel zurück greift, aber das könnte wohl eher an der Bequemlichkeit liegen, oder der Tatsache geschuldet das man dafür die Cyberwelt verlassen muss um sich in der realen Welt zurecht zu finden. Was auch immer die Gründe sind, es lohnt sich auf jeden Fall, sich im Herbst auf den Weg zu machen um Eicheln zu sammeln. Zum einen verbingt man eine herliche Zeit in der Natur und zum anderen weiß man, wo das Lebensmittel herkommt, und man kann mit stolz sagen: „das habe ich selbst gemacht. Von Anfang bis Ende.“
Das wichtigste was man am Anfang braucht, um überhaupt Anfangen zu können sind Eicheln. Eichen sind in Deutschland weit verbreitet und meistens muss man dafür nicht einmal in den Walt gehen, sondern findet die Bäume an jedem Strassenrand. Wichtig hier schon zu erwähnen ist, dass nur Eicheln genommen werden sollten, die auf den Boden gefallen sind. Bitte nicht extra in den Baum klettern um die Frucht zu ernten.
Die Eicheln sollten fest sein, wenn man diese leicht zerdrücken kann, sind diese bereits im Inneren am Faulen und so nicht mehr zu gebrauchen. Auch wenn die Eichel im inneren Braun ist und einen leichten vergorenen Geruch hat, ist diese für den Verzehr nicht mehr geeignet.

Kommen wir nun zur benötigten Menge. Diese sollte immer doppelt so hoch sein, als wie man das Mehl braucht. D.h. für 100g Eichelmehl braucht man 200g Eicheln

Die Eichelmehlherstellung beginnt – wie beim Eichelkaffee auch – mit dem Entfernen der Schale. Die geschälten Eicheln können geteilt oder auch geviertelt, natürlich auch gerne in Scheiben geschnitten werden.Je kleiner Desto schnelle lösen sich die Gerbstoffe.

In der Küche

  • Die „geschälten“ und geviertelten Eicheln über Nacht in ein Wasserbad legen.Wer keine Zeit hat, kann die Eicheln auch abkochen, dabei immer wieder das Wasser wechseln bis dieses sich nicht mehr braun verfärbt.
  • Am nächsten Tag das Wasser wecheln und die Eicheln wieder einlegen. Hat sich das Wasser braun gefärbt: Wasser wechseln und die Eicheln einlegen. Diesen Vorgang so lange wiederholen bis das Wasser klar bleibt. Bei diesem Vorgang werden die Gerbstoffe (Tanin) aus der Eichel geschwämmt. Diese Gerbstoffe können zu Magenproblemen führen! Die Waschung dauert bis zu ca. 24 Stunden, danach sollten keine Gerbstoffe mehr enthalten sein.
  • Die Eicheln können sofort gemahlen werden. Dazu eine leistungsstarke Maschine verwenden, da die Eicheln sehr hart sind. Das gewonnene Mehl auf einem Backblech ausbreiten und an der Luft trocknen lassen. Wer es gerne etwas schneller haben möchte, kann das Backblech auch bei 50° in den Ofen schieben – dabei die Ofentür geöffnet lassen damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
  • Fertig ist das Eichelmehl.

Im Outdoor

  • Im Outdoor können diese in einem Beutel in ein Gewässer gehangen werden. Am besten ist ein fließendes Gewässer. Man kann erkennen, dass sich eitwas braunes vom Beutel absetzt – dies sind die Gerbstoffe die aus den Eicheln geschwämmt werden. Den Beutel so lange im Wasser lassen, bis keine sichtbare Färbung mehr im Wasser zu sehen ist. Die Waschung dauert bis zu ca. 24 Stunden, danach sollten keine Gerbstoffe mehr enthalten sein. Wer keinen Beutel zur Verfügung hat kann auch einen Socken benutzen. Wer keine Zeit hat, kann die Eicheln auch abkochen , dabei immer wieder das Wasser wechseln bis dieses sich nicht mehr braun verfärbt.
  • Die Eicheln mit zwei Steinen zermahlen, alternativ auch ein Stein und das Messer oder mit einem Stock in einem Topf zerstoßen.
  • Fertig ist das Eichelmehl.

Bleibt an dieser Stelle noch zu sagen, dass Eichelmehl – im Gegesatz zu Weizenmehl – keine bindenen Eigenschaften hat. Wer also ein Brot nur aus Eichelmehl backen möchte, wird Probleme bekommen ohne Bindemittel. Man kann aber dennoch daraus einen „Keks“ backen. Das Mehl mit Wasser vermengen – das verschafft für den Moment die Bindung – und dann direkt in den Backofen oder im Outdoor auf einen heißen Stein geben.

Das Auskochen

Hier mal eine kleine Richtlinie die Helfen sollte. Die Kochzeit – als die Zeit wo das Wasser richtig kocht – liegt bei insgesamt 30 Minuten. Dabei sollte das Wasser 5-7 mal gewechselt werden. Da es sich um ein Naturprodukt handelt wird es so sein, dass das Wasser immer einen leichten braunstich haben wird.
Da die Eicheln nun gekocht sind, kann man diese auch wie ein Gemüse essen.

Noch etwas zu den Gerbstoffe

Auch im Frühjahr kann man noch Eicheln finden, und hier hat die Natur einen Trick angewendet um die Eicheln sofort – oder relativ sofort – essen zu können. Durch das Ablagern der Eicheln lösen sich die Gerbstoffe von selbst auf, den auch die Tier essen nicht die „frisch“ gefallenen Eicheln. Diese sind Bspw. Wildschweinen zu bitter. Also wer das Mehl erst einige Monate später machen möchte kann die Eicheln einfach beiseite legen. Dennoch sollten die Eicheln wie o. beschrieben weiterbehandelt werden – lediglich die Zeit des Ausschwämmens wird verkürzt. Wichtig: es befindet sich immer noch genug Tanin in den Eicheln, dass man Magenprobleme bekommen kann.

Jetzt kann man das Mehl entweder alleine nutzen oder, wenn man nicht genügent Eicheln hat, dieses mit Weizen-, Dinkelmehl auffüllen. Im Outdoor ist es aber eher unwahrscheinlich, dass man Weizenmehl dabei hat.
Hier ein kurzes und einfaches Rezept für Eichelbrot:

  • 100 g Eichelmehl
  • 300g Weizenmehl
  • 1 TL Salz
  • 20 ml Olivenöl
  • 50 ml Milch
  • 1/2 Würfel Hefe
  • 2 Äpfel

Salz und Mehl vermengen und 50ml warmes Wasser, und das Öl dazugeben. Darin dann die Hefe auflösen.
Die Äpfel (ohne Kerne) zerreiben und unter den Teig heben. Das ganze für 1 Stunde zugedeckt gehen lassen.
Dann nochmals kräftig druchkneten und für weitere 30 Minuten ruhen lassen.
In eine Kastenform geben und bei 180° (vorgeheizt) für ca. 60 Minuten backen.

Weitere Rezepte finden sich in den weiten des Internet.

Wenn auch Du ein tolles Rezept oder Erfahrungen mit Eichelmehl-Produkten hast , dann schreib es einfach als Kommentar zu diesem Artikel.

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar