Schweden bereitet Bürger auf Krieg und Krisen vor

Die Regierung in Schweden wappnet die Bürger für den Ernstfall: In der kommenden Woche sollen alle 4,8 Millionen Haushalte eine 20-seitige Broschüre erhalten, die auf einen Krisen- oder Kriegsfall vorbereitet. Online ist das Heft mit dem Titel „Falls Krisen oder Krieg kommen“ schon jetzt verfügbar.

Hintergrund sind die Annexion der Krim durch Russland vor vier Jahren sowie Berichte über Verletzungen des schwedischen Luftraums durch russische Kampfjets. Im vergangenen Jahr hatte Schweden bereits angekündigt, die seit 2010 ausgesetzte Wehrpflicht aufgrund einer durch Russland veränderten Sicherheitslage wieder einzuführen.

Ganz allgemein gehe es darum, mit dem Heft auf ein Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung zu reagieren und das Land auf mögliche Ernstfälle vorzubereiten. Auch wenn Schweden sicherer sei als viele andere Länder, gebe es doch eine Bedrohung „unserer Sicherheit und Unabhängigkeit“, heißt es eingangs in dem Text. Frieden, Freiheit und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeit – sondern Werte, die beschützt und täglich gestärkt werden müssten.

Auf den folgenden Seiten wird es dann doch ziemlich konkret: Der Leser erfährt, wie ein Fliegeralarm klingt oder wo er Bombenschutzkeller oder sauberes Wasser findet.

Außerdem gibt es eine Liste mit Lebensmitteln, die man im Ernstfall im Haus haben sollte – etwa weil sie schnell zu kochen sind oder kein Wasser für die Zubereitung nötig ist. Genannt werden hier zum Beispiel Sardinen, fertige Bolognese und Bohnen.

Die Broschüre warnt auch vor Fake News und ruft zur Achtsamkeit bei möglichen Falschmeldungen auf. Einige Fragen solle man dabei stets im Hinterkopf haben: „Handelt es sich um Fakten oder eine Meinung?“ Oder: „Ist die Quelle vertrauenswürdig?“

Darüber hinaus soll die Lektüre auch auf Terror- und Cyberattacken vorbereiten. Auch die Bedrohung durch den Klimawandel wird thematisiert.

Das Heft wurde von der schwedischen Regierung in Auftrag gegeben und von der zum Verteidigungsministerium gehörenden Behörde Swedish Civil Contingencies Agency erstellt. Es soll während einer Notfallvorbereitungswoche vom 28. Mai bis zum 3. Juni verteilt werden, wie die Behörde am Montag erklärte. Sie werde in Schwedisch, Englisch und weiteren Sprachen veröffentlicht. Deutsch zählte nicht zu den von der Behörde angekündigten Sprachen.

Es handelt sich um die erste Broschüre dieser Art seit 1961. Vergleichbares Material wurde erstmals während des Zweiten Weltkriegs verteilt. Schweden war seit mehr als 200 Jahren in keinen Krieg mehr verwickelt, zuletzt kämpfte das Land 1814 gegen Norwegen. Während des Zweiten Weltkriegs war Schweden offiziell neutral.

Quelle und Text: welt.de

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